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Um Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf mein Buch zu geben, finden Sie hier eine kurze Leseprobe: Klappentext Buch Klappentext BuchChristoph Rohleder hat in seinem Leben noch nie eine Radtour gemacht, geschweige denn, dass er jemals eine Bergsteigertour bestritten hat. Eines Tages kommt er auf die Idee alleine mit dem Mountainbike Amerika zu durchqueren. Entlang der Panamericana von Alaska nach Feuerland - 18.000 km durch 14 Länder - und dabei den höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua (6.962 Meter), alleine zu besteigen. Ein phänomenales Abenteuer der Superlative beginnt, welches ihn in atemberaubend spannende Situationen katapultiert. Zudem unternimmt der Autor ungewöhnliche intellektuelle Ausflüge, so dass das Lesen selbst zu einem Abenteuer wird. Ein buchgewordener Cocktail, der den Leser staunen, schreien, fürchten und nachdenken lässt. …wie weit war es noch bis zum Plateau? Es durfte nicht mehr weit sein, meine Kräfte neigten sich dem sicheren Ende zu. Ich sah meine Spuren im Schnee, die sich im Nichts verliefen und die Angst überkam mich, dass ich ein ähnliches Schicksal haben würde. Der Blick nach oben war eigentlich eher starr und leer, völlig emotionslos. Ich nahm noch das Rauschen des Windes wahr, die auf mich nieder rieselnden Schneeflocken, Schmerzen spürte ich nicht mehr. Ich erblickte die bizarren Formen der mich umgebenden Bergspitzen, nahm den Schimmer des Lichts wahr, der von dem Schnee reflektiert wurde und fühlte mich zerschmettert. Mehr und mehr übermannte mich das Gefühl, nie wieder aufstehen zu können. Ich lag reglos auf dem Rücken und fühlte mich auf dem Schnee festgenagelt. Ich schloss die Augen. Eine tonnenschwere Müdigkeit presste mich tiefer und tiefer in den Schnee und ließ die Zeit gefrieren… Kommentar:Kunstvoll werden die inneren und äußeren Impressionen des Abenteurers umgesetzt. Die ästhetische,
bildkräftige Sprache spiegelt die Besonderheit der Betrachtung plastisch wider. Von der ersten bis zur
letzten Zeile ein Genuss der literarischen Superlative. Was für ein Buch! Ich habe geschrien vor Lachen, ich habe geschwitzt vor Spannung. Welch eine
explosive Mischung. Die Verbindung von intellektuellem Anspruch und wahrhaftiger Besonderheit bleibt
dem Autor vorbehalten. Grandios!!! Leseprobe NordamerikaIch bin dann weiter nach Sandpoint und von da aus nach Spokane (Washington) geradelt und
hatte ein Erlebnis, welches mich ein wenig an eine x-beliebige Szene aus Miami Vice erinnerte.
Das typische Klischee, welches man von den US-amerikanischen Polizisten hat, die gemeinhin mit
herunterhängender Kinnlade als Cops bezeichnet werden, sollte sich bewahrheiten. Ich radelte
ahnungslos auf der Autobahn und wurde von zwei dieser Klischeevertreter angehalten. Sie waren
doch ernsthaft der Auffassung, ein Fahrrad gehöre nicht auf die Autobahn. Jaaa - wo leben wir
denn?? So wurde ich von zwei Konfektionsuniformträgern gestoppt, die zunächst einen
Ums-Land-besorgt-sein-Blick aufsetzten. Ihre Körperhaltung drückte das testamentarische
Verlangen aus, mir ihre ethische Stammbaumentwicklung bis hin zur amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung aufzuzeigen. Der Wortführer der beiden war ein trendtreffsicherer
Rundumdenmundbartträger, der eine mafiöse Spiegelsonnenbrille trug, die offensichtlich
Untergrunderfahrung besaß. Klassisch tänzelte er auf mich zu, jeder Schritt eine Verbeugung
vor sich selbst. Mir war klar, er hält sich für eine Jahrhundertmaßnahme, mit ausgeprägtem
Exekutionsbedürfnis. Dann bäumte er sich vor mir auf, die Daumen modeecht hinter dem breiter
werdenden Gürtel eingehakt. Die golden beschlagene Gürtelschnalle demonstrierte mir unbeugsame
Autorität, bedingungsloses Pflichtbewusstsein und ein abgebrochenes Abitur. Seine Mimik gab mir
zu verstehen, dass er sich für die Endlösung des Urknalls hielt. Der zweite Unmoralsschächer sah
aus wie Fuzzi aus "Western von Gestern", irgendwie ne Art stinkender Schatten, der artgerecht
diverse Spuckebläschen in den Mundwinkeln beherbergte. Während der Wortführer ansetzte, versuchte
Fuzzi sich als Zieh-den-Bauch-ein-Typ, wobei er mit simultaner Beerdigungsmiene den Ort
weiträumig abschweifte. Doch schon kamen die ersten vokalen Laute aus dem Rundumdenmundbart,
die wohl als verbale Haue gedacht waren. Hierbei hatte er sogar an bedeutungsschwangere Pausen
gedacht, na immerhin. Ich dachte zunächst daran, mit meiner rechten Hand Scheibenwischerbewegungen vor meiner Stirn im Intervallmodus zu simulieren, war mir allerdings nicht sicher, ob er jene Geste wird dechiffrieren können. Folglich probierte ich mich im mutigen Intervallschielen. Daraufhin fragte er mich sorgengetränkt nach meinem geistigen Wohlbefinden. Situationsgegenwärtig habe ich diese Chance nicht verstreichen lassen und mich in der Nachahmung des amerikanischen Gesichtsausdrucks versucht. Zudem habe ich einen auf nichtenglischsprachigen Auslandstrottel gemacht und pawlowschte mit diebischer Freude auf jeden Satz von ihnen erst Mal ein langezogenes hhheeeeeeeeeeeeee ??? Nun gaben mir die beiden gottesfürchtigen Gesetzeshüter zu verstehen, dass ich ihnen nur durch die Anwendung einer mehrjährigen Chemotherapie ein Lächeln werde entzaubern können. Nachdem die beiden mir in einem Gleichknalltston versicherten, dass sie mich jederzeit mit stählerner Faust in einen Frosch, aber nicht wieder zurück verwandeln könnten, erhielt ich eine Kurbel-woanders-weiter-Strafe. Die beiden hatten sich inzwischen zum Autotüranlehner weiterentwickelt und erklärten mir mit dem Gesichtsausdruck eines weihrauchgetränkten Kardinals, dass mein Verhalten in den USA eigentlich eine straßenverkehrsrechtliche Ordnungswidrigkeit darstelle. Potz Blitz - Potz Blitz. Mi, Ma, Mausesack. Mein scholliger Herrgesangsverein. Ich war fassungslos von soviel allerhand: "Ppppfffffffooooooor eeeeeeyyy !!!" hieß folglich meine Spontanantwort. Für diese eloquente Formulierung haben sie eine Extraeskorte spendiert. Die Verabschiedung verlief schließlich so, dass die beiden Knallchargen mir abermals versicherten, dass sie viel um die Ohren und wenig dazwischen haben, worauf ich andeutete, dass ich mir so etwas schon gedacht hatte. Leseprobe ZentralamerikaDer Nicaraguaner zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass er Straßen baut wie der Schweizer den Käse macht - bei beiden trifft man gelegentlich auf Substanz. Bei der Ausformulierung der Straßenverkehrsordnung haben sie sich jedoch an den Regeln des deutschen Autoscooters orientiert. Einfach göttlich, und ich als einziger Zweiradvertreter mit der Unbeirrbarkeit einer deutschen Flipperkugel dazwischen. Jene Schlaglochaneinanderreihung ließ selbst meine sonst eher konservativ eingestellten Satteltaschen zu flippigen Springtaschen mutieren und mich alle 500 Meter zum Sammler und Sucher, aber gut - warum nicht. Prächtig machte sich hierbei auch mein neuer Außenspiegel, der nicht nur extrem cool auf alt und jung wirkte, sondern mir auch anzeigte, wann es Mal wieder Zeit ist, einen Köpper in den Seitengraben zu wagen, weil besser. Es ging weiter nach Costa Rica. Hatte ich eigentlich jemals die Straßen in Nicaragua versehentlich moniert? Konnte man da noch den Plural von Schlagloch verwenden, so gilt für weite Teile von Costa Rica wohl eher der Singular. Ich hatte die Vermutung, dass eben jene "Straße" ein ehemaliges Truppenübungsgelände für Flusspferde war, die eine Parade von Arschbomben einstudiert haben, denn nur so lassen sich diese bizarren Muster, die mit bis zu einem Meter tiefen Aushebungen verbunden waren, erklären. Das führte natürlich dazu, dass ich mit abnehmender Wadenkraft, zunehmend ein arschbombiges Verhältnis zu meinem Sattel entwickelte. Die Krönung in dieser Gegend sind jene Konstrukte, die man in heimischen Kreisen als "Brücken" bezeichnet, jene Kunstwerke sind am ehesten mit den deutschen Eisenbahnschienen zu vergleichen, vielleicht etwas breiter. Die Zwischenstangen sind exakt in einer Entfernung angeordnet, dass das Radeln zu einer Mischung aus Bockspringen und Bullen-Rodeo wird. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit habe ich dies auch akustisch mit Rodeolauten wie Jeeeeeeeepi oder auch Arrrrrrribaaa begleitet, bis sich meine ostwestfälische Gesangsausbildung durchsetzen konnte und ich zu: Schubidu, trallala und insbesondere zu "vallerie und vallehopsasa" - Gesängen wechselte. Da jene Grill-Rost-Brücken für gewöhnlich nicht höher sind als 3 Meter, habe ich zunächst die fehlende Seitensicherung relativ locker genommen und dachte mir, na ja, im Falle des unangemeldeten Seitenköppers wird das nicht gerade angenehm, aber viel mehr als ein paar Schrammen werden's wohl auch nicht werden. Da ab und zu auch mal eine Stange fehlt bzw. nach unten weggebrochen ist, kann man sich zudem noch im quirligen Dreisprung üben. Diese neue Kunstanlage, die der naive Betrachter als anachronistischen Schrotthaufen bezeichnen würde, offenbart sich jedoch dem versierten Beobachter als gelungene Variante einer postmodernen Mehrzwecksportanlage, da sie aufgrund ihres inhärenten Gleitfilms auch noch die Möglichkeit bietet, die Körperbalance zu perfektionieren. Am nächsten Tag hatte ich dann noch so ein bisschen von dieser Strecke zu Ende zu hoppeln, wobei mal wieder eine Mehrzwecksportanlage vor mir lauerte. Ich in gewohnt locker-easy Manier da rüber, wobei ich sogar cool genug war, um nach unten zu schauen. Da lümmelte doch glatt eine Horde Krokodile rum, allesamt mit einer Körpergrösse versehen, die weit von dem entfernt war, was der Volksmund als "possierlich" einstuft. Uiuiuiuiuiuiuiuiuiui, besetzte die erste halbe Stunde danach mein Bewusstsein. Zwirn, Arsch und Himmel, soweit war es gekommen, ich verwechselte sogar die Reihenfolge innerhalb meiner Lieblingsfluche. Da meine Einbildungskraft in einen unbezahlten Akkordmodus wechselte, mit der Tendenz zur Überstunde, radelte ich weiter. Aber damit nicht genug, da in diesen Breitengraden Hotels quasi für omme zu haben sind, campen nicht gerade ein Hype ist, hab' ich erst am vorletzten Tag in Zentralamerika das erste Mal versucht mein nagelneues Zelt aufzubauen, was, wenn man von ästhetischen Gesichtspunkten absieht, auch soweit geklappt hat. Ich konnte dabei auch die Erfahrung machen, dass durch die Kombination von Dauerregen und gleichzeitigen 30 Grad Außentemperatur bei absoluter Windstille auch das geschickteste Ventilierungssystem locker ausgehebelt wird. Dies wiederum gibt einem die Möglichkeit, sich eine Nacht lang in der eigenen Suppe zu frittieren. Die damit einhergehende Beschäftigung als Dauerwalze hat mir das stolze Bewusstsein verschafft, Besitzer eines definitiv zweiseitig wasserdichten Zelts zu sein. Gut, bin auf jeden Fall am nächsten Tag als erste radelnde Fritte und satten 10.000 km in den Beinen über den Panamakanal geradelt. Leseprobe Südamerika IWenn man mit einem Pygmäenvolk durch den Urwald zieht, ist das eigentlich Interessante, dass man in der Auseinandersetzung mit einer so gänzlich anderen Kultur fast mehr über sich selbst lernt, bzw. über die internalisierten Wirkungen der Kultur, in der man aufgewachsen ist, als über die jeweils neue Kultur. Was einem unmittelbar auffällt, ist der gänzlich andere Umgang mit Zeit, in unseren Breitengeraden würde man sagen: komme ich heute nicht, komme ich morgen nicht - wobei dies spätestens aus dem Munde einer kapitalistisch-wohldressierten Arbeitsbiene, die auf eifrig-emsig-fleißig programmiert wurde, eine negative Konnotation hätte. Wenn man in den sogenannten "entwickelten" Kulturen eine Tugend wie Fleiß und damit auch die sinnvolle Verwendung von Zeit in Frage stellt, wird man im glücklichsten Fall nur der Blasphemie für schuldig befunden. Die Begegnung mit dieser Kultur war für mich eine Art Entschleudigung. Aber vielleicht 2-3 Gedanken zum Umgang mit Zeit. Es gibt ein schönes Zitat hierzu von einem Mann namens Mumford (1970): "Die Uhr, nicht die Dampfmaschine ist der Schlüssel der modernen industriellen Welt!" Machen wir doch eine kleine Reise durch divergente, kulturell bedingte Zeitrationalitäten. Für den "Uhrzeitmenschen" scheint die Ausrichtung an universal "objektive" Zeitgeber eine Selbstverständlichkeit, mehr noch eine Lebensnotwendigkeit zu sein, für Menschen freilich, die noch vorwiegend in ethnischen Bezügen leben, wäre die Ausrichtung ihres Daseins an eine Zeitmaschine schlichtweg plemplem. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den Begriff Zeit zu beschreiben. Das unmittelbare Verständnis beinhaltet eigentlich primär die physikalischen Aspekte, danach wird Zeit z.B. an der Bewegung der Atome gemessen. Zeit spielt somit eine "objektiv" messbare Dimension, die jedoch nicht unbedingt mit einer individuellen Zeitvorstellung in Bezug stehen muss. Der Soziologe Elias erklärt das Entstehen des individuellen Zeitverständnis durch die Sozialisation, in der der Mensch die in seiner Gesellschaft gebräuchlichen Zeitsignale versteht und sich im Verhalten an ihnen orientiert. Das bedeutet, dass die Vorstellung von der Zeit, die ein jeder von uns besitzt, von dem Entwicklungsstand der Gesellschaft abhängt. Es ist hiermit die soziale Zeit gemeint, die unabhängig von irgendwelchen Atomschwingungen existiert. Ein weiteres Beispiel, das ein jeder aus der eigenen Erfahrung kennt, ist die unterschiedliche Wahrnehmung eines Lebensjahres. Für einen 5-jährigen ist ein Jahr nahezu unendlich lang. Ein Jahr ist ein Fünftel seiner gesamten Lebenszeit. Für einen 50-jährigen ist es aber nur ein Fünfzigstel seiner Lebenszeit und in der gleichen Relation wird ein Jahr als "schneller vergänglich" empfunden. Berücksichtigt man hierbei auch noch die Bewusstseinsebene, potenziert sich die Relation noch um den Faktor 100. Für einen 5-jährigen ist jeder Tag neu, jeder Tag ein kleines Abenteuer. Ein normaler 50-jähriger grüßt jeden Tag das Murmeltier. Dies prägt das Bewusstsein. Eine Reise ermöglicht es einem erwachsenen Menschen nochmal 5 Jahre alt zu sein. Wenn durch eine Reise vielleicht auch nicht die biologische Lebensdauer verlängerbar ist, die bewusste Lebensdauer ist signifikant verlängerbar. In unseren Breitengeraden stellt das einfache Infragestellen von Zeit eine Abstraktionsschwierigkeit dar. Bei uns ist oftmals der Umstand vorzufinden, dass wir ein Ereignis als ein Mittel für etwas anderes betrachten, quasi als Vehikel. Man macht häufig etwas, um etwas anderes zu erreichen. Wir gehen brav zur Schule, machen eine Ausbildung und quälen uns über den Joggingpfad - viele absolvieren ihren Tagesablauf nicht aus intrinsischer Motivation. Vielmehr handelt es sich immer um eine Mittel-Zweck-Kombination. Gelegentlich kann man dabei feststellen, dass viele gar nicht wissen, was denn das Andere ist, was sie überhaupt erreichen wollen. Wir wissen aber, dass es auf jeden Fall Zeit erfordert und deswegen muss die Gegenwart genutzt werden. Damit wir das Andere erreichen und zukünftig folglich erfolgreicher sind. Was ist dabei erfolgreicher? Dass wir noch effizienter die Gegenwart für die Zukunft nutzen? Der Uhrzeitmensch lebt ähnlich wie der Hamster im Rädchen, fortwährend ist er am paddeln, um die Gegenwart für eine bessere Zukunft zu nutzen und wenn er das beständig macht, wird diese Zukunft nie kommen. Abgesehen davon kann jahrelanges paddeln auch hirntot machen und die etwaig vorhandene Orientierung geht dabei verloren. Es gibt ja diesen kleingeistigen und sehr verbreiteten Traum vom Rentnerdasein. Wenn ich nicht mehr arbeiten muss, dann werde ich dieses, jenes und welches machen und spätestens dann, wenn die Rahmenbedingungen vorhanden sind, platzt der Traum. Menschen verändern sich auf ihrem Weg und die investierte Zeit in der Vergangenheit für die Zukunft XY ist nicht mehr zurückholbar, zumindest nicht in unserem Zeitverständnis. Das Paradoxe daran ist, je erfolgreicher ein Vertreter in der Uhrzeitkultur ist, desto weniger Zeit hat er und desto effizienter nutzt er die Gegenwart für die Zukunft - bis er tot ist. Leseprobe Südamerika IINach etwa einem Tag hatte ich den Verdacht, dass ich überschneit werden könnte, da die Zeltwände bis auf eine Höhe von 50 Zentimeter unbeweglich geworden waren, es bahnte sich somit quasi ein Leben unter dem Schnee an - oder auch nicht leben. Mir wurde mehr und mehr klar, dass sich mein Zelt langsam aber sicher in mein Grab verwandeln könnte und ich wurde von Naturgewalten darin gefangen. Der Sturm presste den Schnee immer stärker gegen die Zeltwände und drückte sie immer enger zusammen. Ich lernte dabei das Gefühl der wirklichen Gefangenschaft kennen, wobei mein Gefängnis unaufhaltsam kleiner wurde. Zudem stellte sich aufgrund der damit einhergehenden Abdichtung des Zeltes einen Sauerstoffmangel ein, was meine immer noch tobenden Kopfschmerzen weiter verstärkte. Das Stechen hinter meinen Augäpfeln wurde nahezu unerträglich. Ich hatte keine Wahl, ich musste aus dem Zelt, egal wie. Als Erstes habe ich mir dann mein Kosmonautenoutfit angezogen, einschließlich Steigeisen, um einen besseren Halt zu haben. Dass das in einem solchen Zelt einen Heidenspaß macht, dürfte wohl klar sein, insbesondere, wenn man dabei das Gefühl hat, die Augen wollen in die Ohren und die Ohren in die Augen. Doch mit raus war erstmal nichts, da der Reißverschluss mit arktischem Frost versiegelt war. Also Feuerzeug raus und schmelzen - nur bei dem Wind ist nichts mit Feuerzeug anmachen - auch nicht im Zelt. Also in diesem Augenblick hätte ich eher einen Pudding an die Wand nageln können, als diesen dösigen Reißverschluss aufzubekommen. Es hat schätzungsweise eine Stunde gedauert, bis ich ihn aufbekommen habe. Dann hieß es, mit den Beinen den Schnee wegschieben und rausrobben, krabbeln ging nämlich nicht. Als ich dann endlich wirklich draußen war, habe ich ein komplett neues Lebensgefühl kennen gelernt. Ein Toben, ein Bärsten, ein Grollen. Ich konnte weder irgendwas sehen, noch sonst irgend etwas wahrnehmen. Ich dachte, mir schneidet beim Atmen jemand mit einem Eiskeil die Lungenflügel auf, das war der absolute Wahnsinn. Der Versuch mich aufzurichten, scheiterte kläglich am Wind. Hätte ich es geschafft, ich wäre glatt weggeweht worden. Aber ich habe es zumindest bis auf die Beine, quasi bis in den rechten Winkel geschafft. Im nächsten Augenblick wurde ich schon wieder umgeworfen. Ich bewegte mich wie in einer Waschtrommel, wenn der Schleudergang läuft. Um mich herum war nur das Fauchen des Windes, dessen Böen wie Schläge auf mich niederprasselten, immer und immer wieder. Ich rang um Orientierung, hätte ich mich mehr als 10 Meter von meinem Zelt entfernt, hätte ich es wohl nicht wiedergefunden. So bekloppt es sich anhört, ich habe diesen Augenblick sogar wirklich genossen, ein wirkliches, nicht zu vergleichendes Orkanfeeling - die Naturkräfte so hautnah in dieser Intensität spüren zu können, ohne Netz und doppelten Boden, wowowowow. Als ich mir so etwas wie einen Schneesitz gebaut hatte, gelang es mir sogar, meine Kamera aus meiner Bauchtasche zu ziehen. Zwar konnte ich nicht zielen, aber mit meinem Grobhandschuh habe ich zumindest den Auslöser getroffen und dann die Kamera rumgeschwenkt, so sind etwa 20 Aufnahmen des Schneesturm-Infernos entstanden, die teilweise auch was geworden sind. Da ich jedoch ernsthafte Befürchtungen hinsichtlich Erfrierungen hatte, wusste ich, dass ich nicht viel Zeit hatte, ich musste handeln. Auf allen Vieren kroch ich gegen den Wind an, der von allen Seiten gleichzeitig zu kommen schien und mich selbst auf der Kriechhöhe noch umzuwerfen drohte. Doch ich musste das Zelt freischaufeln, wollte ich nicht darunter begraben werden. Ich hatte keine andere Möglichkeit, es musste mir gelingen, die Schneewände vom Zelt abzutragen, so dass sich kein neuer Schnee festsetzen konnte. Somit hätte ich Zeit gewinnen können. Zeit, mit der Hoffnung auf ein Ende des Sturmes. Mit Händen und Beinen versuchte ich keuchend gegen den Wind gestemmt den Schnee zur Seite zu schieben. Dabei schlug ich mir selbst die Sonnenbrille aus dem Gesicht und meine Augen wurden dem unmittelbaren Allesweiß ausgesetzt. Ich hatte meine Brille natürlich vorher gesichert, so dass ich sie nicht verlieren konnte, jedoch konnte ich sie unter den Umständen mit meinen Grobhandschuhen nicht aufsetzen. Ich wusste, dass ich dadurch nicht mehr viel Zeit hatte, um wieder ins Zelt zu robben. Ich wollte nicht versehentlich auch noch eine Augenverletzung riskieren. Halb blind rutschte ich am Abhang entlang. Die Angst vor einer Verletzung, vor einem Sturz forderte mich, alle Kräfte zu konzentrieren. Plötzlich gab der Schnee unter mir nach und ich rutsche zeitlupenartig in die Tiefe. Ich ruderte wild mit Armen und Beinen, um wieder Halt zu bekommen, doch ich glitt weiter abwärts. Ich versuchte verzweifelt mein Kinn in den Schnee zu pressen, um den Abwärtsverlauf zu stoppen, wobei ich mehrmals mit der Stirn aufgeschlagen bin. Meine Finger in den Handschuhen wurden zu Krallen…
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