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Jedes persönliche Wachstum erfordert den Mut zum physischen und psychischen Risiko,
zum ,,Unordentlichen" und Zufälligen. Eine der wichtigsten Fähigkeiten hierfür ist loslassen
zu können. Der Reisende weiß nicht, wohin die Reise geht, der Abenteurer weiß nicht, was er
erleben wird. Seine Reisen führen ihn nicht eher in eine Richtung als in eine andere. Seine
Neugierde ist nicht auf einen bestimmten Punkt gerichtet. Ein jeder, der mal eine wirkliche
Reise erlebt hat, weiß, dass es die unvorhergesehenen, manchmal sogar chaotischen und katastrophalen
Ereignisse sind, die aus ihr ein denkwürdiges, gelegentlich sogar ein prägendes und veränderndes
Erlebnis machen, über das man noch nach Jahren erzählt.
Wer sich auf das Wagnis des Unbekannten, das Wagnis einer Reise einlässt, kann in den Genuss
kommen, dass Repertoire seines Selbst zu erweitern. Wir lernen neue Seiten an uns kennen,
entdecken ungeahnte Fähigkeiten oder Eigenschaften, sind ausdauernder, geduldiger, zäher,
witziger, einfallsreicher, abenteuerlustiger als wir dachten. Wir lernen uns selbst besser
zu beobachten. Veränderungen durch Reisen ereignen sich nur selten auf einer einzigen Reise.
Die Transformation ist eher ein kontinuierlicher, kumulativer Effekt, die Summe vieler
Erfahrungen unter den unterschiedlichsten Umständen. Es ist wichtig zu beachten, dass die
Reise mit der Rückkehr noch nicht zu Ende ist. Eine wichtige Aufgabe besteht in der
nachträglichen Sinngebung. Allzu viele Reisen verblassen in der Erinnerung, hinterlassen
keine Spuren in unserem Leben. Wichtiger als die Erzählungen ist die Verarbeitung der
Erfahrung für sich selbst: die mehr oder weniger systematische Re-Konstruktion einer
persönlichen Reisegeschichte, die sich aus Anekdoten, prägenden Begegnungen und
Schlüsselerlebnissen zusammensetzt. Entscheidend ist, dass wir unsere Erfahrungen
während der Reise bewusst speichern und in unsere Erfahrungswelt einordnen, um somit ihre
Ausstrahlung in den Alltag nutzen zu können.
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